Baumschnitt von den Bäumen lernen - die Praxis
Warum schneiden wir unsere Obstbäume?
Wir können:
- den Fruchtertrag und das Holzwachstum im Gleichgewicht halten
- die Belichtung und damit die Fruchtqualität verbessern
- den Fruchtbehang regulieren und die Krone entlasten
- die Früchte und Blätter besser belüften
- uns die Arbeit vereinfachen
- ein stabiles Kronengerüst aufbauen, welches die Fruchtlast dauerhaft tragen kann
- die alten Bäume möglichst lange erhalten, wegen Bodenmüdigkeit kann kein Apfel oder eine Birne gepflanzt werden, wo vorher ein Apfel oder eine Birne gestanden hat, bis zu sechzig Jahre lang
→ Wir verlängern die Lebensdauer der Bäume ganz wesentlich !
→ Obstbäume sind Kulturpflanzen mit großen, schweren Früchten und brauchen unsere Unterstützung
Wie gehen wir vor?
- Beobachten ist die wichtigste Gartenarbeit!
- Baum beurteilen und Schnittmaßnahmen festlegen
- Kronengerüst festlegen und bei jungen Bäumen eventuell formieren
- Auslichten
- Schwächsten Leitast zuerst zurückschneiden
- Leitäste ins Gleichgewicht! bringen
- Mitteltrieb schneiden
- Alle Seitenäste werden den Leittrieben untergeordnet
- Bei alten Bäumen müssen wir das Kronengerüst nehmen wie es ist! Schematisches Vorgehen ist hier nicht hilfreich
Konkurrenztriebe und spitze Verzweigungen rechtzeitig entfernen
- Schnittwunden möglichst klein halten
- Keine Aststummel stehen lassen
Lerne deine Bäume besser kennen und versuche zu verstehen wie sie wachsen, das Wachstum folgt Mustern.
→ erkenne diese Muster
→ erst beobachten dann schneiden!
Durch Kenntnis der Wuchsgesetze können wir das Wachstum bewusst beeinflussen und in eine sinnvolle Richtung lenken.
Das Baumwachstum hat verschiedene Stadien: Jugendstadium, Ertragsstadium und Altersstadium.
- Wir entwickeln im Jugendstadium ein stabiles Kronengerüst durch Kronenaufbauschnitt
- Wir halten die Bäume so lange wie möglich im Ertragsstadium durch Erhaltungsschnitt
- Wir verjüngen überalterte Kronen durch Verjüngungsschnitt
→ alle Schnittmaßnahmen beruhen auf den gleichen Prinzipien!
→ lerne diese Prinzipien zu verstehen
- Durch Rückschnitt der Haupttriebe im oberen Kronenviertel lassen sich Obstbäume verjüngen
- Rückschnitt fördert Dickenwachstum und Neutrieb und Verzweigung
- Auch das Auslichten der Krone kann die Bildung von neuem Fruchtholz anregen
→ zu starker Rückschnitt kann die Bäume völlig aus dem Gleichgewicht bringen, bis hin zum Absterben ganzer Kronenteile
- Schneiden regt das Wachstum an
- Nicht schneiden fördert die Bildung von Blütenknospen
- Die größte Förderung des Holzwachstums findet am höchsten Punkt statt
- Beim Rückschnitt ins mehrjährige Holz immer auf einen Seitenast ableiten
- Starker Rückschnitt – starker Neutrieb
- Schwacher Rückschnitt – schwacher Neutrieb
Die ideale Krone
hat zwei bis vier Haupt oder Leitäste, an denen die Seitenäste mit dem Fruchtholz wachsen und einen durchgehenden Mitteltrieb; so wachsen auch die meisten Bäume in der freien Natur, wobei die Hauptäste mehr oder weniger stark ausgeprägt sind. Beim Schneiden folgen wir diesen natürlichen Mustern.
Wie wachsen eigentlich Bäume?
Hier nun die wichtigsten Wuchsgesetze in Kürze. Deren Kenntnis lehrt uns viel über einen naturgemäßen Baumschnitt, das heißt, wir folgen beim Schneiden den Mustern, wie die Bäume von Natur aus wachsen. Natürlich gibt es Ausnahmen von diesen Regeln, wie immer in der Natur (die Umlaufbahn des Mondes hat fünf Hauptrhythmen und achtundzwanzig Unregelmäßigkeiten!), dennoch gibt es diese Muster und wir können sie nutzen.
→Die natürliche Entwicklung der Bäume soll so wenig wie möglich gestört werden
Aus diesen Mustern lassen sich die Schnittmaßnahmen, fast logisch, ableiten und wir können das vegetative (das Wachstum der Zweige und Blätter) und das Fruchtwachstum über lange Zeit im Gleichgewicht halten und das Fruchtholz immer wieder verjüngen.
Spitzenförderung: am höchsten Punkt der Bäume findet die größte Förderung des vegetativen Wachstums statt (das Wachstum wird hormonell gesteuert),
daraus ergibt sich die:
Oberseitenförderung: die größte Wuchsförderung findet auf der Oberseite der Äste statt. Wenn die Spitzen der Äste nach unten gebogen sind, ist die größte Wuchsförderung am höchsten Punkt des jeweiligen Astes. Hier sprechen wir von der Scheitelpunktförderung.
→ wenn die Vitalität der Bäume sehr gering ist, verlagert sich die Wuchsförderung in den unteren Kronenbereich!
Das Längenwachstum der Triebe ist am senkrechten Holz am stärksten, das Fruchtwachstum am waagerechten Holz.
Je dicker der Astumfang desto stärker das Wachstum des betreffenden Astes.
Für ein gleichmäßiges Wachstum sollen alle Haupttriebe in der gleichen Höhe geschnitten werden.